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Kleine Historie

Dieser Artikel ist kein Boykottaufruf(!), sondern…

Wir möchten im Folgenden einen kleinen Abriss über die Entwicklungen des Pelzhandels in Bielefeld geben. Obgleich der Artikel die genannten Unternehmungen (aussgenommen ist freilich die Nerzfarm) in ein schlechtes Licht zu rücken vermag, kann nicht oft genug betont werden, dass sie entgegen möglicher wirtschaftlicher Gewinne moralischen und gesellschaftlichen Forderungen den Vorzug gegeben haben. Das Aktionsbündnis Bielefeld Pelzfrei freut sich über diese Entwicklungen und möchte die Unternehmen in Bezug auf den Pelzhandel lobend hervorheben.

Sinn und Zweck dieses Artikels ist es daher nicht, mit dem Finger auf ehemalige pelzverkaufende Unternehmen zu zeigen, sondern erstens aufzuzeigen, dass gesellschaftlicher Protest in Bezug auf Pelzverkauf nicht vergebens ist. Zweitens zeigt die Geschichte, dass der Pelzhandel nicht unbedingt Teil einer unwiederbringlichen Vergangenheit ist. Vielmehr entdecken zum Unglück von Mensch, Tier und Umwelt immer wieder Designer die Ware Pelz und versuchen sie wieder tragbar zu machen. Wir möchten mit diesem Artikel daher gleichsam Hoffnung schöpfen wie Aufmerksamkeit erregen. Nur wenn Pelz auch wirklich in der Modewelt tabuisiert wird, kann ein dauerhaftes Ende einer in jeder Hinsicht unethischen Praxis erreicht werden! Dazu gehört letztlich nicht allein der Ausstieg großer Kaufhäuser, sondern ebenso der modischen Tonangeber und Abnehmer in den höheren Preissegmenten.

Nerzfarm in Bielefeld – Vilsendorf

In Bielefeld sind Protestaktionen gegen den Pelzhandel nicht unbekannt. Einen permanenten Anstoß für Demonstrationen lieferte etwa immer wieder die „Nerzfarm“ Artemis im Stadtteil Vilsendorf. Nachdem in Folge massiver Proteste im Jahr 2006 neue Auflagen für den Betrieb von Pelzfarmen verabschiedet wurden, welche unter anderem größere Käfige für die Tiere vorsahen, kam es zu einer Sammelklage seitens der Betreiber/-innen verschiedener deutscher Pelzfarmen. 2011 lief die gesetzlich vorgeschriebene Frist zur Umsetzung der neuen Tierschutzstandards aus. Der Inhaber der Vilsendorfer Nerzfarm Alfons Grosser änderte jedoch weiterhin nichts an den Haltungsbedingungen der Tiere und führte den Betrieb weiter fort. Erst 2013 gelang es der Stadt Bielefeld, sich mit dem Betreiber zu einigen und die Farm schließen zu lassen.

Das Beispiel Kaufhof…

- Erfolg bundesweiter Proteste -

Der Protest von Bielefelder Bürger/-innen richtet sich aber nicht nur gegen Pelzfarmen, sondern auch gegen Bekleidungsgeschäfte, die mit ihren Filialen in Bielefeld vertreten sind. Obwohl bereits seit den 1990er Jahren viele führende Bekleidungsunternehmen keine Echtpelze mehr verkaufen, haben einzelne Unternehmen immer wieder versucht, Tierpelze wieder „tragbar“ zu machen.

So nahm beispielsweise Galeria Kaufhof 2012 erneut Echtpelz in das Sortiment auf, obwohl das Unternehmen seit 2006 bewusst auf Pelz verzichtet hatte. Die Offensive gegen die Pelzindustrie (OGPI) rief daraufhin zu einem bundesweiten Aktionswochenende auf, an dem sich auch Bielefelder Tierschützer/-innen mit zwei aufeinanderfolgenden Aktionen beteiligten. Den bundesweiten Protest in vielen Städten nahm sich Galeria Kaufhof zu Herzen und versicherte in einer Stellungnahme an die OGPI den erneuten Ausstieg aus dem Pelzhandel. Bislang hält sich das Unternehmen an sein Versprechen.

…und Gerry Weber

- Erfolg lokaler Proteste -

Als ein besonderer Erfolg der Bielefelder Initiativen ist die Auslistung von Pelzen in den Filialen des regional ansässigen Unternehmens Gerry Weber zu verbuchen. Bereits 2007 war das Unternehmen nach diversen Protesten aus dem Pelzhandel ausgestiegen. Nachdem im Herbst 2011 erneut Kleidung mit Pelzbesatz in das Sortiment aufgenommen wurde, begannen insbesondere Bielefelder Tierschützer/-innen eine mehrwöchige Unterschriftensammlung, um das Unternehmen davon zu überzeugen, dass die Bielefelder Bürger/-innen modisch nicht auf Echtpelz setzen wollen. So haben insgesamt 1206 Bielefelder/-innen dem Unternehmen die „Rote Karte“ für den Verkauf von Kleidung mit Pelzbesatz gezeigt.

Auch die insgesamt sehr positiven Presseberichte in den regionalen Medien trugen dazu bei, dass das Unternehmen so zügig reagiert hat und in Zukunft auf den Verkauf von Tierfellen verzichten wird.


Bildnachweis (Titelbild): Deutsche Fotothek/Wikimedia (© s.: a.a.O.)

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